Mein Vorschlag an alle - Do it yourself - Männer und Frauen:
Machen Sie diesen interessante und spannenden Beruf zu Ihrem Hobby.
Dieses Betätigungsfeld verspricht kurzweilige Stunden im trauten Heim,
spart hohe Arztkosten und bringt Ihnen höchste Anerkennung im Freundes-
und Bekanntenkreis.
Schauen Sie den dort praktizierenden Fachleuten genau auf die Finger. Bei Ihrer späteren Arbeit werden Ihnen die in diesen lehrreichen Sendungen gezeigten Tricks und Kunstgriffe sehr zustatten kommen.
Prüfen Sie sich bei der folgenden Frage genau und ehrlich: Wird Ihnen beim Anblick von Blut flau im Magen, löst es bei Ihnen Brechreiz oder Schwindelgefühle aus? Wenn Sie diese Frage bejahen müssen, brauchen Sie nicht weiterzulesen. Sammeln Sie lieber Briefmarken.
Selbstverständlich setze ich bei Ihnen handwerkliches Geschick
und Freude an praktischer Arbeit voraus. Doch nun soll es endlich losgehen.
Vorteile der Küche:
Sie benötigen:
Fraktur, Hydronephrose, Amputation Hypotonie, Nekrose, Embolie, Infusion, Incubation, Hypochondrie, Kastration, Exitus, Metamorphose usw. Auch hier sind die lehrreichen Arztserien im Fernsehen sehr zu empfehlen.
An Hand einer einfachen Blinddarmoperation (besonders geeignet für Anfänger) will ich Sie in die hohe Schule der Chirurgie einführen. Halten Sie sich bitte zunächst genau und Schritt für Schritt an die Anweisung. Später, mit wachsender Erfahrung, können Sie Ihrer Phantasie freien Lauf lassen (Hirnchirurgie, Transplantationen...).
Haben Sie stets Geduld und lassen Sie sich von unvermeidlichen Rückschlaegen
nicht entmutigen.
Merke: "Übung macht den Meister".
Sauerbruch soll schon gesagt haben:
"Chirurgen sind eigentlich auch nur Handwerker".
Achten Sie auf einen stets seriösen Gesichtsausdruck (siehe Dr. Brinkmann), Ihr Patient wird dann unbegrenztes Vertrauen zu Ihnen haben.
Bitten Sie jetzt den Patienten, sich soweit wie für den Eingriff nötig freizumachen und sich mit dem Rücken auf den OP-Tisch zu legen. Mit Brennspiritus (ein Allzweckreiniger tut's auch) desinfizieren Sie die Haut in der Umgebung der geplanten Schnittstelle.
Wir schreiten jetzt zur Narkose. Welche Narkotika Sie einsetzen bleibt
Ihnen überlassen. Bewährt, weil jederzeit zugänglich, sind
Schlaftabletten und Chloroform. Bevor Sie den ersten Schnitt vornehmen,
überzeugen Sie sich bitte davon, daß Ihr Patient auch wirklich
im Land der Träume ist. Lassen Sie Ihn bis hundert zählen. Versagt
ihm die Sprache, ist es soweit. Wer ganz sicher gehen will, piekt den Patienten
mit einer Nadel in die Fußsohle. Stellen Sie unbedingt für die
Gesamtdauer der Operation ausreichende Betäubung sicher. Nichts ist
so unangenehm, wie ein geöffneter Patient, der plötzlich vom
Tisch springt. Jetzt noch schnell die Hände und Arme gewaschen und
Gummihandschuhe übergestreift.
Setzen Sie Ihren Einschitt ungefähr oberhalb der rechten Leistenbeuge an. Achten Sie unbedingt auf die richtige Seite! Einige Hobbychirurgen waren schon höchst verwirrt, weil Sie den Blinddarm nicht finden konnten. Sie hatten den Patienten auf der falschen Seite geöffnet. Wenn Sie mit dem Messer nicht mehr weiterkommen, lassen Sie sich von Ihrem Assistenten eine Geflügelschere reichen. Damit ist das Durchtrennen der Bauchdecke ein Kinderspiel.
Irgendwann wird Sie das bei dieser Prozedur anfallende Blut stören. Lassen Sie es von Ihrem Assistenten mit einem Schlucksauger entfernen. Auf Grund der hohen Saugleistung dieser vielseitigen Geräte muß darauf geachtet werden, daß vom Patienten noch benötigte Organe nicht mit aufgesaugt werden.
Mit einigen Krokoklemmen oder Wäscheklammern halten Sie die frische Wunde offen. Vor Ihnen tut sich die geheimnisvolle Welt der Anatomie auf, die bisher den Halbgöttern in Weiss vorbehalten war! Nach einer Schweigeminute zu diesem denkwürdigen Augenblick machen Sie sich auf die Suche nach dem Appendix (Fachterminus fuer Blinddarm). Richtig, es ist die kleine unscheinbare Verlängerung des Dickdarms!
Binden Sie den Appendix so nahe wie möglich am Dickdarm ab (Bindfaden).
Jetzt schnell die Beißzange anfordern, und den Wurmfortsatz so nahe wie möglich am Dickdarm (aber oberhalb der Abbindung!) abkneifen. Perfekt!
Der Rest ist ganz einfach. Bevor Sie die Wunde zunähen, überprüfen
Sie bitte, daß Sie nichts im Bauch des Patienten zurückgelassen
haben (gutes Werkzeug ist teuer). Falls Sie mit Nadel und Faden nicht gut
umgehen können, lassen Sie sich das von Frau oder Freundin zeigen.
Wenn der Patient nach einiger Zeit wieder aufwacht, sagen Sie ihm daß alles gut gegangen ist, und er nach Hause gehen darf. Weisen Sie ihn darauf hin, dass er sich noch ein paar Tage schonen sollte. Falls Sie die Möglichkeit haben, zeigen Sie Ihr Werk einem erfahrenen Chirurgen, er wird Ihnen gerne wertvolle Tips geben, was Sie beim nächsten Mal noch besser machen können. Übrigens, der leidenschaftliche Heimchirurg legt seinen ersten Blinddarm in Spiritus und stellt ihn zur Zierde und Erinnerung in eine Vitrine oder auf den Fernseher.
Sollte der Patient auch nach laengerer Wartezeit nicht erwachen, rufen
Sie Ihren Anwalt an. Er wird den Rest für Sie regeln.
Der Autor erlaubt ausdrücklich die Weitergabe dieses Kurses an interessierte Freunde und Bekannte, Kindern unter 10 Jahren sollte er jedoch vorenthalten werden. Ihnen fehlt für solch diffiziler Tätigkeit die notwendige Reife.
Der Autor ist für Schäden durch Kunstfehler seiner Leser nicht haftbar.
Aber bitte dran denken, was der liebe Onkel im Fernsehen immer sagt:
"Bitte liebe Kinder, probiert das jetzt zu Hause nicht aus!"
Frigger's humorige Seiten: www.frigger.de