Eine Kurzgeschichte von Zonkadelic
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Ein bestialischer Krach zwang mich meine
Augen aufzureißen. Es war mein Wecker der mich mit einem unerträglich
lauten Scheppern aus den süßesten Träumen riss wobei ich
mit einem filmreifen Stunt aus meinem Bett sprang. Der harte Aufprall ließ
mir meine Umgebung klarer erscheinen.
Schlaftrunken und gänzlich unentspannt
erhob ich meine mittlerweile blutende Nase aus dem Berg Dreckwäsche,
die sich vor meinem Bett aufgetürmt hatte und prügelte „Prinz
Ernst August -gleich“ auf meinen Wecker ein, bis dieser verstummte.
Kein Zweifel mehr. Es war ein Montag morgen
wie er beschissener nicht anfangen konnte.
Die 7,5 m, die ich zum Badezimmer zurückzulegen
hatte erschienen mir wie die Besteigung des Mount Everest.
Ein Sauerstoffgerät hätte ich
in diesen Momenten auch sehr gut gebrauchen können.
Einige wenige Sonnenstrahlen bahnten sich
ihren Weg durch die heruntergelassene Jalousie.
Als einer von ihnen meine Augen traf zuckte
ich zusammen wie einer dieser lichtscheuen Untoten aus „From Dusk till
Dawn“.
Wie ein glühender Uranstab bohrte sich
das Sonnenlicht durch meine Netzhaut, um sofort 35 % meines Hirns zu verbrennen.
Flinken Fußes flüchtete ich ins
abgedunkelte Badezimmer um meine Wunden zu kühlen.
Die vollkommene Dunkelheit ließ mich
über die Personenwaage stolpern wobei ich, mit den Armen rudernd,
vornüber fiel. Mit letzter Kraft schaffte ich es mich an der Duschkabine
festzuhalten, welche unter meiner Last zusammenbrach.
Von Prellungen und Blutergüssen übersäht
tastete ich über das Badezimmerregal bis ich eine Kerze und
Zündhölzer gefunden hatte. Das Licht der Kerze zwang mich nicht
die Augen fest zusammen zu kneifen.
Ich konnte also sehen.
Als ich den gemarterten Körper vorsichtig
in Richtung Spiegel bewegte fiel mir ein homosexuelles Fliegenpärchen
auf, das sich wild stöhnend auf meinem Heißwasserboiler vergnügte.
Der gewaltige Schrei den ich ausstieß
ließ nicht nur das Fliegenpärchen auf der Stelle die Flucht
ergreifen.
Auch einige Nachbarn boten mir spontan ihre
Hilfe an, während sie verängstigt an meine Tür pochten.
Ich öffnete die Tür jedoch nicht.
Niemand sollte mich so sehen. Das Bild, das der Spiegel da zurückwarf
erinnerte mich stark an Frankensteins Gesellenstück.
Die Haut faltig und blass wie Kalkstein,
mehr Ränder als Augen. Die kurze Nacht hatte ihre Spuren hinterlassen.
Dummerweise ausschließlich in meinem Gesicht.
Der Selbsterhaltungstrieb ließ mich
auf die Rasur verzichten. Ich begann also mir den scheinbar zentimeterdicken
Belag von Zähnen und Zunge zu polieren.
Die anschließende Dusche lässt
sich, im Nachhinein betrachtet, als eines der schönsten Erlebnisse
meines Lebens beschreiben. Es müssen Stunden gewesen sein, die ich
unter dem kochend heißen Wasser verbracht hatte. Mit einiger Mühe
entfernte ich die Miesmuscheln, die sich mittlerweile am gesamten Körper
ansässig gemacht hatten, trocknete mich ab und begab mich wieder in
meine Gemächer.
Es erwies sich als eine echte Herausforderung
nicht wieder in das lauschig warme Bettchen zu steigen, das lauthals meinen
Namen rufend auf mich wartete.
Es war also Montag. Keine Chance dem Alltagstrott
zu entrinnen. Ich öffnete meinen Kleiderschrank, dessen knarren mir
das Blut im Körper gefrieren ließ und zog wahllos einige Klamotten
heraus.
Bei der Auswahl der Krawatte schloss ich
sogar die Augen. Ich griff zu einer Flasche Mineralwasser, die neben meinem
Bett stand und leerte sie in einem Zug.
Nachdem ich die Kleidung mühsam um
meinen Körper gewickelt hatte rief ein Blick auf die Uhr wieder eine
grausame Panik in mir hervor. Wollte ich nicht noch später als es
ohnehin schon war auf der Arbeit erscheinen, so musste ich nur zwei Minuten
später an der 936 Meter entfernten Bushaltestelle stehen.
In meiner Hektik verzichtete ich auf Schuhe
und Jacke und rannte aus dem Haus.
Nur durch einen Waghalsigen Hechtsprung
durch die sich blitzartig schließende Tür konnte ich mein Leben
und mein Gleitzeitkonto vor einem jähen Ende bewahren. Die ausschließlich
hässlichen und fetten Menschen die mit mir im Bus fuhren schauten
teilweise sehr erstaunt als sich der Kerl ohne Schuhe vom dreckigen Boden
erhob und sich schnaubend eine Zigarette anzündete.
Einige von Ihnen lasen Zeitschriften, andere
starrten einfach nur paralysiert aus den beschlagenen Fenstern.
Nachdem ich mir die Zeit erfolgreich damit
vertrieben hatte jeden einzelnen Fahrgast persönlich zu beleidigen
geschah das Unvermeidbare.
„Nächster Halt, Bayerwerk Tor 2“.
Die Dame, die diese Nachricht über
die Lautsprecher stöhnte, hätte auch mit Telefonsex reich werden
können. Wahrscheinlich tat sie es auch.
Ich stieg aus dem Bus und stand mitten in
einem Platzregen, der wenige Sekunden zuvor noch nicht da gewesen war.
Der Tag wurde von Sekunde zu Sekunde beschissener und ich hatte das Büro
noch nicht einmal betreten.
Als ich mich vor den Augen des Pförtners
auswrang und meinen beschwerlichen Weg in Richtung Stempeluhr fortsetzen
wollte, wurde ich durch einen Markerschütternden Schrei aus meiner
Trance gerissen.
„ A U S W E I S ! ! ! ! !“
Missmutig schlurfte ich zurück, rutschte
auf der Wasserlache aus die ich kurz zuvor hinterlassen hatte und zeigte,
während ich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Rücken lag,
dem Pförtner meinen Werksausweis. Dieser bedankte sich durch eine
Kombination aus eifrigem Kopfnicken und hämischem Grinsen. Ohne Frage
hatte sich dieser Mann in null Komma nichts auf meine „People to kill“
liste bugsiert.
Als ich meine Karte durch den Leser zog
war es mittlerweile
09.52 Uhr.
„Möge der allmächtige Herrgott
diese Gleitzeitregelung bis ans Ende meiner Tage schützen“, dachte
ich bei mir und schlurfte Humpelnd in Richtung Aufzug.
Hier erlebte ich das erste Erfolgserlebnis
dieses ach so verdammten Tages, denn die 3 Personen mit denen ich den Aufzug
zu teilen hatte sahen mindestens so scheiße aus wie ich. Es ist ein
verdammt gutes Gefühl zu wissen daß man nicht allein auf der
Welt ist.
Mit zitternden Händen schaffte ich
es bereits im dritten Anlauf den richtigen Knopf für meine Etage zu
drücken.
Einer nach dem Anderen verließ den
Aufzug bis ich allein zurück blieb.
Noch 2 Etagen hatte ich Zeit tief durchzuatmen
und meine Kleidung zu überprüfen, die ich bis zu diesem Augenblick
noch nicht gesehen hatte. Ich sah furchtbar aus. Allerdings hatte sich
der Löwenanteil der Spuren des mangelnden Schlafes aus meinem Gesicht
verzogen.
„Ding“
Der Aufzug öffnete sich und ich trat
vorsichtig in den Flur.
Hier begegnete mir prompt die Posttante
die mit einem gewaltigen Stapel Papier auf dem Arm über den Flur schwebte.
Das Geräusch Ihrer Pfennigabsätze auf dem Kunststoffboden ließ
mich erschaudern. Dazu dieser Anblick.
Sie trug einen viel zu kurzen Rock der Ihre
von Krampfadern übersäten, viel zu dicken Beine nicht einmal
ansatzweise zu verdecken vermochte. Den Rosa Wollpullover schien sie sich
von Regina Zindler geborgt zu haben. Ihre Frisur konnte ich noch nie leiden.
Kein Zweifel: Diese Frau beleidigte mit
voller Absicht mein Auge.
Als sie mir ein, für einen Montag morgen,
unverständlich fröhliches „MOGGEN!“ entgegenwarf , drehte ich
mich auf dem Hacken um und rannte zur Toilette um mich meines Mageninhaltes
zu entledigen.
Vom Junkfood des Vorabends befreit nahm
ich allen Mut zusammen und machte mich mit großen Schritten auf den
Weg zu meinem Schreibtisch.
Einige der Chefs und Kollegen denen ich
begegnete blickten, während sie mich mit einem deutlichen „MAHLZEIT!“
begrüßten, demonstrativ auf Ihre Armbanduhren, womit sie mein
spätes Erscheinen offensichtlich anprangern wollten.
Als ich meinen Schreibtisch erreicht hatte
bot sich mir ein Bild des Schreckens. Ein Meer von Notizen bedeckte meinen
Schreibtisch, sabbernd darauf wartend endlich bearbeitet zu werden.
Mit wenigen Ausnahmen hatte jeder Mitarbeiter
der Bayer AG angerufen und um dringenden Rückruf gebeten.
Ich versuchte den angestauten Frust, die
Verzweiflung und den Geschmack von erbrochenem Stuhl in meinem Mund mit
einem kräftigen Schluck aus der Wasserflasche herunter zu spülen.
Jedoch ich scheiterte.
Nun nahm ich auf meinem bequemen Bürostuhl
Platz und verfiel augenblicklich in einen Tiefschlaf der jäh durch
das terroristische Klingeln meines Telefons unterbrochen wurde.
Nach Luft japsend griff ich mit bebenden
Händen zum Hörer, hob ab und ...
Als ich mich mit meinem Namen melden wollte
musste ich feststellen daß mein Sprachzentrum, bis dahin ungenutzt,
noch empfindlich gestört war.
Da ich diese Tatsache hinnehmen musste zog
ich es vor mich mit einem bezeichnenden Grunzton zu melden.
Glücklicherweise erinnerte sich der
Anrufer an frühere Grunzmeldungen, verspürte Mitleid mit
der armen Seele am anderen Ende der Leitung und kündigte seinen erneuten
Anruf gegen Mittag an, was ich mit einem weiteren Grunzton guthieß
um den Hörer anschließend zielsicher zurück auf die Station
gleiten zu lassen.
Bis zur Mittagszeit sollten es sich die
Lebensgeister wieder in meinem Körper gemütlich gemacht haben.
Beim Einschalten des Computers stellte ich
mich ebenso ungeschickt an wie beim Aufschließen der Schränke.
Der mir gegenüber sitzende Kollege,
der sich dieses Schauspiel seit Minuten wortlos und mit sichtlicher
Begeisterung betrachtete, brach nun trommelnd und von Lachkrämpfen
geschüttelt unter seinem Schreibtisch zusammen.
Da er nicht einmal im Traum daran dachte
seine Freude über meinen desolaten Zustand ein wenig leiser zum Ausdruck
zu bringen, dauerte es nicht lange bis sich die gesamte Belegschaft des
Großraumbüros um meinen Schreibtisch versammelt hatte, um ebenso
laut zu lachen und mit einer Armada von Zeigefingern auf mich zu deuten.
Der Tag war gelaufen, soviel war sicher.
Wer aber schon einmal dachte daß es
schlimmer nicht kommen könne weiß genau daß das vermaledeite
Leben immer noch ein As im Ärmel hat.
Dieses As erschien mir in Form meines, hektisch
gestikulierenden, Vorgesetzten (an sich ein angenehmer Geselle), der mir
alles Andere als angenehm verkündete, daß er in 7 Minuten den
Besuch eines Kunden erwartete, wofür er vollständige Besuchsunterlagen
benötigte, deren Zusammenstellung mich unter normalen Umständen
mindestens eine Stunde gekostet hätte.
Als ich ohnmächtig von meinem Stuhl
kippte, zog es der Großteil der Kollegen vor die Flucht zu ergreifen.
Einige blieben unbeirrt stehen und lachten munter weiter.
Es müssen Stunden gewesen sein die
ich da, aus den Ohren blutend, auf dem Fußboden gelegen hatte.
Ich zog mich, nach Luft schnappend, an einer
Grünpflanze hoch die, einen letzten, verzweifelten Todesschrei ausstoßend,
samt Blumenkübel auf dem Boden zerschellte. Mit letzter Kraft schaffte
ich es meine Fingernägel im Schreibtisch zu vergraben, was mir einen
halbwegs sicheren Halt bot.
Auf dem Schreibtisch hatte mein Chef einen
Zettel hinterlassen der mit Schimpfworten gespickt war die einer ostsibirischen
Hafenhure die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätten.
Es war mittlerweile 11:43 Uhr. Der
Berg von Notizen auf meinem Schreibtisch hatte sich verdoppelt.
Ich begann die Büroklammern aus meinen
Ohren zu pulen, die mir einige der, immer noch köstlich amüsierten,
Kollegen während meiner Ohnmacht implantiert hatten.
Der perfekte Zeitpunkt um essen zu gehen.
Sichtlich benommen wankte ich in Richtung
Kleiderständer und schnappte mir meine Jacke.
Die Kantine war, wie immer um diese Uhrzeit,
vollgestopft mit alten, hässlichen Menschen die ihre Kleidung alle
beim selben Versandhaus zu bestellen schienen. So wollte ich in einigen
Jahren nicht aussehen.
Das Essensangebot an diesem Tag war wieder
einmal Atemberaubend. Bauchspeck und dicke Bohnen, Schusterkotelette (Fett
in Panade) mit Blumenkohl. Am Grill gab es die wahrscheinlich ekelerregendste
Currywurst der Weltgeschichte. Ich entschied mich aufgrund der schlechten
körperlichen Verfassung für einen Salat und eine Laugenbrezel.
Der halbe Liter Apfelschorle sollte den Nachdurst entgültig besiegen
können.
Die Menschenschlange vor der Kasse schlängelte
sich durch die gesamte Kantine. Als ich endlich an der Reihe und mein Salat
welk (Danke Michaela) war, stellte ich mein Tablett ab und nestelte nervös
in meinen Taschen herum.
„Bar oder mit Karte ?“ fauchte mir die Küchenschabe
(wie ich die weiblichen Angestellten des Betriebsrestaurants ihrer elfenhaften
Erscheinung wegen zu nennen pflegte) entgegen nachdem sie mich mit dem
üblichen „Mahlzeit“ in Kasernenhoflautstärke begrüßt
hatte. Wortlos zückte ich meinen Ausweis, zog ihn durch den Leser
und machte mich auf die Suche nach einem Sitzplatz.
Hunderte von Gesichtserkern thronten mit
ihren fetten Ärschen auf den Polsterstühlen und fuhren sich,
mehr oder weniger genüsslich, dein Einheitsbrei ein wobei sie laut
schmatzten.
In weiter Ferne erblickte ich einen freien
Sitzplatz und legte mit meinem Tablett in den Händen einen Sprint
hin, der selbst einen gedopten Ben Johnson vor Neid hätte erblassen
lassen.
Die letzten 5 Meter legte ich im Sinkflug
zurück. Ich landete unsanft aber punktgenau auf dem Stuhl, wobei sich
der Inhalt meines Glases auf die Tabletts meiner Sitznachbarn ergoss.
Einer von ihnen mokierte sich sichtlich
erregt über diesen Zustand und faselte irgendetwas von Kündigung,
Rausschmiss und Abmahnung. Es stellte sich heraus dass dieser Herr von
allen nur „der Häuptling“ genannt wurde.
Seine Position lässt sich, simpel ausgedrückt,
als „der Chef des Chefs meines Chefs“ bezeichnen. Dieser Mann war so wichtig
dass ich ihn noch nie in meinem Leben gesehen hatte.
Offensichtlich kannte er mich aber besser
als mir lieb war. Fluchend erhob er sich von seinem Platz, wischte sich
den gröbsten Schnodder von der Kleidung und verschwand.
Plötzlich wurde ich von etwas extrem
grellem geblendet. Mir gegenüber nahm ein Herr Platz der einen leuchtend
türkisen Strickpullover mit eingestickten Bärchen trug. Von Lachkrämpfen
geschüttelt spuckte ich ihm den zerkauten Salatmatsch ins Gesicht,
den ich zuvor minutenlang im Mund bearbeitet hatte. Ich verzichtete auf
jede weitere Nahrungsaufnahme und zog es vor meine immer noch akuten Kopfschmerzen
der frischen Luft auszusetzen.
Ich watschelte einige Minuten durch den
Park, wobei mir ungewöhnlich viele tote Tiere am Wegesrand auffielen.
Darüber machte ich mir aber keine weiteren Gedanken.
Voller Unlust erreichte ich das Bürogebäude,
atmete noch einmal tief durch und schritt durch die sich öffnende
Schiebetür.
Der Pförtner holte gerade Luft, um
mir wieder das einzige Wort das er fehlerfrei aussprechen und eventuell
sogar schreiben konnte entgegenzubrüllen, als ich mich mit einem mächtigen
Satz direkt vor seine Füße katapultierte und ihm meinen Ausweis
so dicht vor die Augen hielt, dass ich den Strichcodelaser in seinem Schädel
piepen hörte.
Was darauf folgte war eine mehr als unspektakuläre
Aufzugfahrt. Auch der Fußmarsch zu meinen Schreibtisch verlief ohne
nennenswerte Zwischenfälle.
Beim betreten des Büros erblickte ich
etwas, das mich wieder an Gott glauben ließ.
An der Stelle an der früher einmal
mein Schreibtisch gestanden hatte lag jetzt nur noch ein dampfender Haufen
Asche. Ein beschämter Kollege stand, auf den Boden blickend, in der
Ecke. Er hatte unachtsam einen Zigarettenstummel in meinen Mülleimer
geworfen. Ich klopfte ihm grinsend auf die Schulter und verspürte
Genugtuung. Es schien als hätten sich all meine Probleme sprichwörtlich
in Luft aufgelöst.
Diese Rechnung hatte ich aber ohne den Sicherheitsbeauftragten
„Daube“ gemacht. Dieser stand, mit Schutzhelm und Feuerlöscher bewaffnet,
plötzlich vor mir und verkündete folgendes während er grauen
Auswurf in meine Richtung hustete.
„Ihr Schreibtisch ...tot, Ihr PC ... tot,
Ihr Telefon ... tot, Ihr Mülleimer ... tot. ABER ... Ich konnte all
die Unterlagen auf Ihrem Schreibtisch retten.“
Er legte eine perfekte Kehrtwende hin und
stolzierte mit einem NVA-ähnlichen Schritt von dannen. Tränen
schossen aus meinen Augen. Ich vergoss genug Tränenflüssigkeit
um den Tiefstand des Rheins damit auszugleichen. Nachdem ich mich wieder
gefasst hatte machte ich mich, mit einigen Büromaterialien bewaffnet,
auf die Suche nach diesem erbärmlichen Bastard.
Ich joggte „Dieter Baumann-gleich“ über
den Flur und erblickte ihn. Meine Schritte wurden länger, meine Schrittfolge
schneller. Der Griff an seinen fettigen Hemdkragen rief einen Markerschütternden
Todesschrei hervor, der von der Geräuschkulisse eines heftigen Erstickungstodes
begleitet wurde.
Ich richtete diesen jämmerlichen, um
sein Leben flehenden, Schwachkopf mit den mitgebrachten Folterinstrumenten
übel zu. Anschließend schliff ich ihn an seinem ungepflegten
Bart in den Lastenaufzug und schickte ihn über alle Etagen. Jeder
sollte sehen was passiert wenn man einen Verkaterten Arbeitskollegen zur
Weißglut bringt.
Zu behaupten ich hätte mich schlecht
gefühlt wäre mehr als nur gelogen. Ich fühlte mich königlich,
lächelte und versprühte aufgrund meiner Boshaftigkeit Unmengen
weiblicher Hormone.
Niemand schien Daube zu vermissen. Ich ergriff
die Gelegenheit beim Schopf und warf all die Unterlagen, die er gerettet
hatte, auf den immer noch dampfenden Haufen, der einmal mein Schreibtisch
gewesen war.
Ich tanzte um das erneut lodernde Feuer
und pfiff vergnügt ein Liedchen.
Gutgelaunt verließ ich das Büro
nachdem ich mein verbliebenes Hab und Gut verpackt hatte und wünschte
allen Kollegen explizit einen „angenehmen Feierabend“.
Der Tag schien ein gutes Ende zu nehmen denn
der Bus kam ausnahmsweise ohne Verspätung.
Als sich die Türen schlossen und der
Bus sich in Bewegung setzte, sprangen 2 Männer von den hintersten
Sitzen auf. Wild mit ihren Pistolen herumfuchtelnd bedrohten Sie den Busfahrer
und einige Fahrgäste. Mit einem, durch bewusstseinsverändernde
Drogen hervorgerufenen, Zittern in ihren Stimmen stellten sie sich als
die Herren „Rösner und Degowski“ vor.
Da die Beiden furchtbar aus dem Hals stanken
streckte ich sie kurzerhand nieder.
Die anderen Fahrgäste bedankten sich
mit stehenden Ovationen für meine Heldentat und trugen mich auf Händen
aus dem Bus, direkt in die Arme der lauernden Reporter. Diese boten mir,
neben einigen Auftritten in diversen Talkshows und der Ein oder Anderen
Gala, die Ablöse von Eduard Zimmermann in Aktenzeichen XY ungelöst
an. Zudem ernannte man mich zum Volkshelden was durch die Verleihung des
Bundesverdienstkreuzes noch bekräftigt wurde.
Ich hatte nun genug Geld um sorgenfrei mein
Leben als Tagedieb zu leben und mich meinem offensichtlichen Alkoholproblem
hinzugeben.
Arbeiten ging ich jedoch nie wieder.
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