Männer

erkennen, verstehen, pflegen

Von Dorothea Dorsch

Komisch - aber in vielen Witzen und Texten werden die Frauen runtergemacht. Lustige Wahr- und Unwahrheiten über Männer sind eher selten, eben weil solche Texte halt überwiegend von Männern geschrieben werden.
Hier mal was anderes:

1. EIN MANN - WAS IST DAS?

Wenn Du auf den Straßen, außerhalb Deines Hauses, unterwegs bist, werden Dir hin und wieder andere begegnen. Sofern du dich an deine üblichen Routen hältst, werden es Wesen deiner eigenen Art sein, d.h. andere Frauen. Aber hin und wieder kann es vorkommen, daß ein Wesen darunter ist, das weder Frau noch Tier zu sein scheint - hierbei könnte es sich um einen Mann handeln. Woran ist ein Mann zu erkennen? Auf den ersten Blick ähneln Männer uns. Sie haben Arme, Beine und Köpfe wie wir und gehen meistens aufrecht. Außerdem tragen sie in aller Regel Kleidung. Von der Größe her scheinen sie die meisten von uns zu überragen, und auch von der Statur her erscheinen sie größer, d.h. breiter und massiger, bei genauerem Hinsehen auch gröber.
 

Unterscheidungsmerkmale:

Wirf zuerst einen Blick auf den Körper. Wenn die Kleidung es erlaubt, wirst du erkennen, daß beide Brüste fehlen - das ist ein sicheres Erkennungsmerkmal. Außerdem ist bei genauerem Hinsehen zwischen den Beinen eine seltsame, selten mehr als knapp faustgroße Wölbung auszumachen - sind diese Erkennungsmerkmale beide vorhanden, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Mann. Im Gesicht sind weitere Merkmale: Das Haar wird sehr oft kurz und anliegend getragen. Es kommt in den gleichen Farben vor wie bei uns, wirkt aber meistens dunkler. Beim Älterwerden ergraut es schnell, schon bei 30jährigen können graue Strähnen gefunden werden. Außerdem kommen kahle Stellen vor:

Über der Stirn, beidseits über der Stirn, am Schädeldach. Solche Mangelstellen werden allerdings solange wie möglich mit Hilfe der restlichen Haare verborgen und sind dann nicht auf den ersten Blick erkennbar. Ein weiteres Zeichen, das einen Mann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verrät: Haare mitten im Gesicht, z.B. an der Oberlippe, am Kinn, auf den Wangen. Dieses Merkmal verweist auf die entwicklungsgeschichtlich enge Verwandtschaft zwischen Mann und (behaartem) Tier. Allerdings geben sich Männer zumeist große Mühe, dieses spezifische Merkmal zu verbergen, indem sie dieses Haar mit speziellen Geräten (Rasierern) direkt an der Hautoberfläche abschaben, zur Not täglich. Besonders bei dunkelhaarigen Exemplaren bleibt aber immer eine Art dunkler Schatten an den behandelten Stellen zurück. Wie schon erwähnt, erscheint der Mann bei näherem Hinsehen gröber als eine Frau, und das zeigt sich natuerlich auch im Gesicht. Die Nase, das Kinn und die Überaugenwülste (der Bereich über den Augen, bei den Augenbrauen) treten stärker hervor und sind kantiger und gröber geformt, die Augenbrauen scheinen dichter und länger behaart, wirken zuweilen richtig buschig, und aus Nüstern und Ohren können Haare herauswachsen.
 

Statur:

Wenn, wie bereits erwähnt, die Kleidung es erlaubt, fallen uns zuerst erstaunlich breite und massige Schultern und dagegen schmale Hüften auf. Der Brustkasten, vorn durch das Fehlen der Brüste abgeplattet, erscheint dennoch insgesamt größer und massiver. Auch die Arme erscheinen massiver, hauptsächlich dicker, aber auch auf eine merkwürdige Art länger. Die Hände sind unverhältnismäßig größer, die Finger breiter und kürzer, erscheinen für feines Hantieren kaum geeignet. Passend dazu sind auch die Füße oft scheinbar unverhältnismäßig groß und breit, wobei die Beine selten lang wirken. Häufig zu beobachten ist eine Fehlstellung der Knie, die sog. O-Beinigkeit, die sich auch im Gang bemerkbar macht. Bei Fettleibigkeit, was gar nicht mal selten ist, scheinen die Beine oft absurd dünn und kurz, so daß sich der Eindruck eines Eies mit Füßen aufdrängt.
 

Kleidung:

Wird wenig variiert und nach versierten Beobachterinnen auch nicht sehr oft gewechselt. Es werden praktisch ausschließlich flache Schuhe getragen, darin zumeist dunkle (braun, schwarz, dunkelblau, ab und zu verschiedenfarbige) Socken. Manchmal werden auch, besonders zu dunkelblauen oder grauen Hosen aus feinem Stoff, weisse Socken mit kräftigfarbigen Markierungen oder Ringen an den Stulpen, sog. Tennissocken, angezogen. Insgesamt scheint es keine Relevanz zu haben, ob die Farbe der Socken zur restlichen Kleidung paßt oder nicht. Ab und an begegnen uns unter der Hose, unterhalb des Knies, sog. Sockenhalter, die die Stulpen der Socken am Hinunterrutschen auf die Knöchel hindern sollen. Die Hose ist entweder Teil eines Komplets (Jacke und Hose zusammenpassend, aus feinstem Stoff, z.B. Seide oder Kammgarn, der sog. Anzug, meist grau oder blau) oder eine Jeans. Ausnahmsweise begegnen uns auch andere Modelle, z.B. Jogginghosen oder Leinenoveralls blaßblauer Farbe, sog. Blaumänner, oder auch leinene Latzhosen in blaßblau, -grau oder -braun, ev. auch matt-orange. Röcke oder Kleider sind nur in Ausnahmefällen beobachtet worden.

Unter der Hose findet sich die Unterhose. Sie ist entweder aus zerknülltem, glatt gewebten Baumwollstoff und dann erstaunlich bunt gemustert, oder aus Baumwoll-Rippstrick und weiss (gewesen). Es sind auch schon andere Farben und glatter Baumwoll-Strick beobachtet worden. Immer ist ein sog. Eingriff vorhanden, eine Öffnung, um mit der Hand (durch den geöffneten Reißverschluß der Hose) in die Unterhose greifen zu können, ohne sie auszuziehen. In jedem Fall dient die Unterhose nicht der Ansehnlichkeit, sondern der Bequemlichkeit ihres Trägers und bietet entsprechenden Platz, d.h. ist weit geschnitten und an den Abschlüssen weich-elastisch. Engere, ansehnlichere Exemplare (Slips) werden nur zu wenigen Anlässen und kurzzeitig akzeptiert. Rumpf und Arme bekleidet der Mann entweder (wenn er einen sog. Anzug trägt) mit einer schlicht geschnittenen Bluse ohne irgendwelche Stickereien, dem sog. Hemd, das immer von blaßheller oder weißer Farbe und zumeist ohne jedes Muster ist. Besonderheit: Ein Hemd hat Knöpfe und Knopflöcher immer auf der jeweils falschen Seite.

Meistens sind eine, manchmal zwei sog. Brusttaschen über den fehlenden Brüsten aufgenäht. Auffällig ist der steife, nach außen gefaltete Kragen mit den markanten Ecken vorn. Hierzu legt sich der Mann meistens eine Schlinge aus feingewebter Seide oder Kunststoffaser um den Hals, genauer, zwischen die Seiten des umgeschlagenen Kragens. Diese Schlinge wird Schlips genannt und ist von ausgezeichneter Zugfestigkeit. Über das Hemd kommt beim Anzug dann die Jacke, das sog. Jackett, das trotz Vorhandensein von Knöpfen und Knopflöchern praktisch ständig offen getragen wird. Wenn kein Anzug getragen wird, bildet zumeist ein Pullover das Oberteil der Kleidung. Er ist entweder aus gestricktem Material (Kunstfaser, Baumwolle, Wolle) und dann in dunklen oder/und blassen Farben gemustert und eventuell verziert, oder er besteht aus außen feingestrickter, innen aufgerauhter Baumwolle und ist blaßeinfarbig, ein sog. Sweat-Shirt.

Unter diesem Pullover, auch unter dem Hemd, im Sommer eventuell auch außen getragen, findet sich meist ein sog. T-Shirt, eine Art dünner, kurzärmliger Pullover aus Baumwoll-Feinstrick, blaß-einfarbig, bisweilen auch schwarz, häufig mit aufgedruckten Bildern oder Schriftzügen. Besonders von älteren Männern wird anstelle des T-Shirts gern ein sog. Unterhemd (statt ärmeln nur Schulterträger, weiß (gewesen), Baumwoll-Rippstrick) getragen. Bei kalter Witterung, bei bestimmten Attitueden auch ständig, wird dieser Aufzug komplettiert durch eine Jacke. Sie besteht aus Leder, gewebtem oder feingewebtem und gefüttertem Stoff und ist gedeckt ein- oder mehrfarbig. Bei Anzugträgern ersetzt sie dann das Jackett, oder der Mann wählt einen Mantel (lang, dunkel, aus Kammgarn oder Wolle, selten Leder), der dann über dem Jackett getragen wird. Insgesamt fällt auf, daß Männer an sichtbaren Stellen nur sehr selten leuchtende oder kontrastreiche Farben tragen; es ließe sich vermuten, daß diese Vorliebe Teil einer Tarnung ist.

Der nackte Mann

Bei seltenen Gelegenheiten können wir den Mann auch ohne Kleidung, d.h. nackt betrachten. Dann stechen uns sofort folgende Eigenheiten ins Auge:

 

2. DER LEBENSRAUM DES MANNES

Da der Mann sich im Grunde genommen von den gleichen Nahrungsmitteln ernährt wie wir, ist er ab und zu in den sonst ausschließlich von uns frequentierten Lebensmittelgeschäften anzutreffen. Allerdings nimmt er seine Nahrung lieber in fertig zubereiteter Form zu sich, und er fühlt sich in Supermärkten auch nicht wohl. So fällt er uns dort auf durch verlorenes Herumstehen, meistens in den Hauptverkehrsgassen, und durch orientierungsloses Umherstarren. Den Einkaufswagen schiebt er vor sich her wie einen riesigen Fremdkörper. In der Kassenschlange drängelt er gern und nimmt uns durch seine größere Körperform die Sicht. Erst wenn er zur als Sicherheit empfundenen Nähe seines Autos zurückkehren kann, weicht die Erstarrung aus ihm. Oft zu beobachten ist dann ein hastiges, unprofessionelles Verstauen der Einkäufe auf Beifahrer- und Rücksitz statt in den Kofferraum, und dann verschwindet der Mann auch schon im Inneren seines heißgeliebten Kraftfahrzeuges, wo wir ihn bald aus den Augen verlieren. Das Auto des Mannes ist eins der rätselhaftesten Mysterien. Es ist groß, aber seine Größe schlägt sich nicht nieder in großem Innenraum, sondern ist nur äußerlicher Art. Auch steht die Größe des Autos in keinem Verhältnis zur Körpergröße des Benutzers; hier scheint eine einfache Maximal-Bevorzugung (je größer desto besser) vorzuliegen.

Das Auto hat einen großen, leistungsstarken Motor, aber das Fahrzeug wird nur äußerst selten voll belastet, und es bietet auch gar nicht viele Möglichkeiten dazu. Neben vier, maximal fünf Sitzen (wie auch bei unseren eigenen Fahrzeugen) bietet es nur einen halbhohen Kofferraum mit oftmals hoher Ladekante. Umklappbare Rücksitze oder Durchladevorrichtungen sind nahezu unbekannt. Auch die erreichbare Höchstgeschwindigkeit erscheint sinnlos, da sie bei männlichen Autos von vornherein außerhalb des erlaubten und/oder praktikablen Bereichs liegt. Die Leistungsfähigkeit des männlichen Autos dient also keinem Zweck. Dafür aber liebt der Mann sein Auto wie ein Kind. Am Samstag können wir Massen von Männern an Autowaschanlagen, Waschstraßen und Tankstellen bei der Reinigung und Pflege ihres Lieblings beobachten, wobei uns oft ein erstaunlicher Dilettantismus in der Vorgehensweise auffällt.

Es scheint nicht darum zu gehen, das Fahrzeug zu säubern, sondern nur darum, sich damit zu beschäftigen. Die Stimmen mehren sich, die behaupten, es ginge dabei um eine Form der religiösen Betätigung. Ein weiterer Beweis fuer diese Theorie könnte sein, daß immer öfter Männer an solchen Stellen, wo Autos gehäuft anzutreffen sind (Parkplätze, Staus, Reparaturwerkstätten) seltsam rituell anmutende Tänze aufführen: das Fahrzeug wird ein- bis mehrmals langsam, mit häufigen Verneigungen, umkreist und sanft berührt. Kritikerinnen behaupten zwar, diese Handlung stelle lediglich eine Kontrolle des Äußeren des Fahrzeugs, z.B. auf Kratzer oder Beulen dar, aber bei der Häufung dieser Verhaltensweise und dem Eifer, mit dem sie betrieben wird, erscheint diese These zweifelhaft. Fakt ist, wir wissen nicht viel über das Verhältnis Mann/Auto. Ebenso unbekannt ist uns der Zweck der vielen und ausgedehnten Fahrten, die der Mann mit seinem Auto unternimmt.

Da der Mann, wie schon berichtet, fertig zubereitete Nahrung schätzt, ist er zu Mahlzeiten (7 - 10.30, 11.30 - 14.30, 18 - 22.00 Uhr) häufig dort anzutreffen, wo solche angeboten wird. In Restaurants geht er dabei eher selten, häufiger werden Imbißstuben frequentiert. Dabei scheint zu gelten: Je billiger die angebotene Nahrung und je zweifelhafter ihre Qualität, desto lieber. Der Mann ißt nicht gern allein und sucht die Gesellschaft seinesgleichen. Deshalb finden wir Männer am sichersten und rund um die Uhr in der sog. Kneipe, jenem Lebensraum, wo er sich am heimischsten und sichersten fühlt. Eine Kneipe ist ein enger, dämmriger, abgeschlossener Raum mit zumeist verhängten oder sonstwie undurchsichtig gemachten Fenstern, meistens mit verrauchter und abgestandener Atemluft, die zusätzlich geschwängert ist mit Alkoholdunst. Es gibt Tische, Stühle und Bänke in den Ecken, wo der Mann gesellig beisammensitzen kann, Hauptattraktion ist aber die sog. Theke. Sie ist so hoch, daß sich der Mann im Stehen gegen sie lehnen kann, und auf der Oberseite werden die Gläser und Aschenbecher abgestellt. Vor ihr stehen vollkommen überhöhte Hocker, manchmal auch Stühle, auf die sich der Mann setzt.

Vermutlich wird auf diese Weise das männliche Grundbedürfnis nach Größe kompensiert, ohne auf Bequemlichkeit verzichten zu müssen. Hinter der Theke steht der Wirt, Vertrauensperson, Vormund, Psychiater, Finanzberater, Kassierer und Mundschenk in einer Person. Er verabreicht dem Mann die Getränke, hauptsächlich Bier, eine uringelbe, leicht schäumende Flüssigkeit von durchdringendem Geruch. Bier ist das Grundnahrungsmittel des Mannes und wird von ihm gern und in jeder verfügbaren Menge konsumiert. Er deckt damit leicht des Mehrfache seines täglichen Nährstoffbedarfes (-> Fettleibigkeit, sog. Bierbauch), und der darin enthaltene Alkohol verursacht Ausfallerscheinungen, durch die uns der Mann nach Verlassen der Kneipe dann wieder besonders auffällt. Wir werden in der Kneipe nicht gern gesehen und als unerwünschte Eindringlinge empfunden, weshalb sich auch das Verhalten des Mannes in diesem Lebensraum größtenteils unserer Kenntnis entzieht.

Am Wochenende, d.h. am Samstag- und Sonntagnachmittag, können wir den Mann auch in riesigen Gruppen in sog. Fußballstadien aufspüren. Hierin finden Veranstaltungen statt, die sog. Fußballspiele, wo eine geringe Anzahl von Männern (genau 22) unter mitfiebernder und lautstarker Beobachtung aller anderen (ihre Zahl geht leicht in die Tausende) versuchen, einen einzigen, kleinen, leichten Ball, er ist meist schwarz-weiß gefleckt, mit den Füßen zu treten, wobei eine kleine Menge von schwarzgekleideten Männern, die sog. Schiedsrichter, darauf achten, daß der einzelne nicht zu lange am Ball bleibt. Dazu werden zu stark überhöhten Preisen die schon weiter oben besprochenen Lieblingsnahrungsmittel des Mannes, Bier und fettgesottene Esswaren, angeboten und konsumiert. Gelegentlich kommt es zu den sog. Schlägereien, an denen sich alle gern beteiligen.

Es gibt noch eine weitere Stelle, wo wir den Mann wochentags zwischen 8.00 und 16.00 Uhr finden können: Den Arbeitsplatz. Hier erledigt er Tätigkeiten, die über seinen eigenen Bedarf weit hinausgehen - oder gar nichts damit zu tun haben - und läßt sich dafür bezahlen. Nirgendwo anders lassen sich die männlichen Kasten und Hierarchien so gut unterscheiden als am Arbeitsplatz. Anzugträger arbeiten in Büros oder im Außendienst, was heißt, sie ziehen von Büro zu Büro und schwatzen. Blaumann- und Latzhosenträger arbeiten in Werkhallen oder in der Öffentlichkeit, wo sie den Verkehr lahmlegen, Strom- und Telefonleitungen, manchmal auch Wasser- und Gasrohre unterbrechen, Bier trinken und schwatzen. Ein Sinn ist in den Tätigkeiten der Männer eher selten zu erkennen, ja, manchmal scheint es, als arbeiteten sie, um Arbeit zu erzeugen. In anderen Fällen wiederum versetzt uns ihre Produktivität in Erstaunen, so z.B. in der Fabrikation von Nahrungsmittelprodukten, die zum Sieden in Fett geeignet sind, bei der Herstellung von Bier und bei der Montage von Autos.
 

3. DER MANN IM HAUS

Obgleich es wenig sinnvoll erscheint, versuchen immer wieder welche von uns, sich einen Mann im Haus zu halten. Hier nun einige Hinweise, die den Umgang mit dem Hausmann erleichtern können: Da der Mann uns ähnelt und sogar in vielerlei Hinsicht zu gleichen scheint, glauben viele, sie könnten mit ihm umgehen wie mit unseresgleichen. Das ist ein Fehler und führt zu großen Ärgernissen. Zu weit besseren Ergebnissen gelangt die Frau, die den Mann von vornherein als etwas grundsätzlich anderes behandelt und nichts voraussetzt. Dann ist der Umgang mit dem Mann nicht mehr schwierig, nur noch ein wenig mühselig.
 

Verständigung

Der Mann denkt nicht wie wir in Zusammenhängen, sondern in Begriffen. Er faßt Sachverhalte nicht zusammen, um sie zu begreifen, sondern teilt sie in Einzelaspekte auf, um sie in sein Begriffsvermögen einzuordnen. Danach neigt er leicht zu der Ansicht, daß das nichts miteinander zu tun habe, "was natürlich jede Frau, die mit dieser Eigenart unvertraut ist, irritiert, allein schon, weil ja jede Frau weiss, daß alles miteinander zu tun hat". Allein schon deshalb tut sich der Mann mit dem Verstehen längerer, zusammenhängender Sätze schwer, und es ist anzuraten, langsam und deutlich, in kurzen, leicht überschaubaren Sätzen und mit einfachen Worten zu einem Mann zu sprechen. Auch sind Gedankensprünge unbedingt zu vermeiden, und dort, wo sie unvermeidlich sind, mußt du dir die Zeit nehmen, sie geduldig und anschaulich zu erklären. Überhaupt ist Geduld im Umgang mit einem Mann eine der wertvollsten Tugenden. Der Mann ist ein Geschöpf von tiefer Unsicherheit. Ständig stellt er an sich selbst Ansprüche, die er nicht erfüllen kann: stets will er der Größte, Beste, Mächtigste, Reichste; immer will er überlegen sein. Nichts gilt dem Mann mehr als die Meinung anderer über ihn. Aus dieser Haltung resultiert eine Mischung aus Frustration und Unsicherheit, die sich in Aggression äußert. Der Mann ist ständig gestreßt, er streßt sich selbst, leidet an sich selbst. Um unter diesen Umständen länger als ein paar Jahre existieren zu können, bedarf er intensiver Pflege.

Herausgerissen aus der freien Wildbahn, verliert der Mann in dramatischer Weise die Fähigkeit, selbst für seine Bedürfnisse sorgen zu können. Außerdem gilt es, einige Vorbereitungen zu treffen, denn ein Haus ist nicht von vornherein auf die Haltung eines Mannes eingerichtet.

Die Toilette

So wenig, wie du von deiner Katze oder einem Hund erwarten würdest, ordentlich Deine Toilette zu benutzen, so wenig solltest du dies von einem Mann verlangen. Denn ein Mann hockt sich nicht hin, um Wasser zu lassen, er tut dies im Stehen, und das verursacht Spritzer. Für den Mann benötigst du also eine spezielle Toilette, das sog. Urinal. Es ist in allen gutbestückten Sanitärfachgeschäften und Baumärkten erhältlich und wird gemäß Anleitung montiert, direkt an die Wand, etwas höher als eine normale Toilette. Natürlich benötigt es Wasseranschluß, damit der Mann nach Verrichtung spülen kann. Der Platz für das Urinal will sorgsam gewählt werden; besonders empfehlenswert ist ein kleines, zweckmäßigerweise ausgefliestes Gelass von ein bis zwei Quadratmetern mit gut funktionierender Lüftung. Ebenfalls ratsam ist die Anwendung eines kleinen psychologischen Tricks, um den Mann zum sorgfältigen Zielen zu bewegen: Besonders bewährt hat sich das Aufmalen oder Einätzen des Bildes einer kleinen Fliege in den unteren Prallbereich der Urinalrückwand. Durch diese simple Maßnahme kann der Reinigungsaufwand für die Männertoilette oft mehr als halbiert werden! Außerdem sollte hier ein kleines Handwaschbecken montiert werden, damit sich der Mann hinterher die Hände waschen kann. Das tut er nicht automatisch; es gilt, ihn mit liebevoller Geduld dazu abzurichten.

Der Aufenthaltsraum

Um deinen Mann möglichst konfliktfrei zu halten, solltest du ein normal-großes oder sogar größeres Zimmer für ihn bereitstellen, ausgestattet wie folgt: Auf den Fußboden gehört ein durchgehender, strapazierfähiger und dennoch weicher Teppichboden, zweckmäßigerweise fleckenresistent (entweder durch entsprechende Musterung oder Imprägnation). Beachte bei der Farbauswahl, daß der Mann kontrastreiche Muster oder leuchtende Farben selten schätzt. Die Wände sollten abwaschbar tapeziert oder gestrichen sein. Außerdem muß durch eine geeignete Vorrichtung sichergestellt werden, daß frische Außenluft die sicher bald abgestandene Zimmerluft ergänzen kann. Richtige Fenster sind dafür nicht unbedingt nötig; eine einfache Deckenlampe genügt zur Beleuchtung des Raumes. Wichtig ist, daß das Zimmer mit mehreren belastbaren Steckdosen ausgestattet ist. Ebenfalls vorhanden sein sollte eine Heizung, die dem Raum eine behagliche Temperatur verleihen kann.

Wichtigstes Möbelstück im Zimmer des Mannes ist das Sofa, es sollte stabil und weich gepolstert sein und dabei groß genug, um sowohl ein entspanntes Sitzen als auch ausgestrecktes Auf-der-Seite-Liegen zu ermöglichen. Als Bezug empfiehlt sich natürlich ein fleckabweisendes Material; dabei darf das Sofa aber keinesfalls ungemütlich wirken. Passend zu diesem Sofa sollte ein niedriger Couchtisch aufgestellt werden; er muß sicher stehen und groß genug sein, um mehrere Bierflaschen, Schüsseln mit Knabbereien, Zigaretten, Feuerzeug, Aschenbecher, Fernbedienung(en) sowie Zeitschriften, Zeitungen und diversen Abfall gleichzeitig aufnehmen zu können. Dem Sofa gegenüber soll eine Schrankwand aufgebaut werden; in ihr ist das wichtigste Gerät, der Fernseher, untergebracht, und den restlichen Platz benötigt der Mann fuer die Unterbringung und Zur-Schau- Stellung seiner Schätze, denn Männer sind Sammler und horten mit Leidenschaft alles Mögliche. Harmlos sind noch Briefmarken, gebrauchte Bierdeckel und Streichholzmäppchen, schwieriger wird es bei größeren Dingen wie Flugzeugmodellen oder Autoreifen.

Anzuraten ist die Aufstellung eines regelbaren Kühlschrankes, in dem die Biervorräte unterzubringen und gleichzeitig auf niedriger Temperatur zu halten sind (Der Mann nimmt sein Bier nur gekühlt zu sich, wobei es nie zu kalt, aber auch nicht zu warm sein darf). Damit sind die Grundbedürfnisse männlichen Wohnens bereits gestillt. Es gibt jedoch noch weiteres Zubehör: Je nach Neigung Videorecorder, Videokamera, HiFi-Anlage, Photoapparat, Spielcomputer, Fernrohr, diverse Zeitschriften, Uhren mit vielen Einstellmöglichkeiten, Modelleisenbahn -  aller möglicher technischer Krimskrams, eben. Die Beschäftigung mit sowas hält Männer bei Laune.

Der Schlafplatz

Da der Mann im Haus zu exponentialer Gewichtszunahme neigt, ist ein Sofa mit Bettfunktion auf Dauer kein ausreichender Schlafplatz für ihn. Hier sollten nicht die Kosten gescheut werden, ein geräumiges Bett mit geeigneter Matratze und gutem Lattenrost anzuschaffen, denn sonst leidet der Mann bald unter Rückenschmerzen, fühlt sich geringschätzig behandelt, wird griesgrämig und unzufrieden. Auch ein wohlgefülltes Kopfkissen und eine weiche Daunendecke sollten bereitgelegt werden, damit dem erholsamen männlichen Schlaf in dieser Hinsicht keine Hindernisse in den Weg gelegt werden. Wo soll das Bett aufgestellt werden? Wenn kein Extra-Raum hierfür bereitgestellt werden kann, was das Empfehlenswerteste wäre, kann eine Unterbringung im Aufenthaltsraum erwogen werden. Dann müßte allerdings allabendlich die Raumtemperatur abgesenkt und ein mindestens 5- minütiges Volllüften des Raumes erfolgen, um den notwendigen Luftaustausch zu gewährleisten.

Keine gute Idee ist die Aufstellung des Bettes in Deinem eigenen Schlafzimmer, denn erstens erzeugen viele Männer während des Schlafes laute Geräusche mit Nase und Rachen, das sog. Schnarchen, das zuweilen nicht einmal einem vorbeidonnernden 12-Tonner in Lautstärke nachsteht, und zum zweiten neigen Männer zur Vereinnahmung, d.h. Du würdest Dir bald in Deinem eigenen Schlafzimmer wie ein Gast oder Eindringling vorkommen. Deshalb ist im Interesse deines guten Schlafes die Unterbringung des Männerbettes in einem anderen Raum auf jeden Fall vorzuziehen. In der Nähe des Bettes sollte eventuell noch eine Truhe oder ein anderes einfaches Möbel aufgestellt werden, worin Kleidung, Unterwäsche und Schuhe für den Mann gelagert werden können. Infolge der geringen Anzahl dieser Teile lohnt die Anschaffung eines richtigen Kleiderschrankes meist nicht.

Es gibt immer wieder Frauen, die die Haltung des Mannes im Haus mit weniger Aufwand versuchen; aber schon nach wenigen Wochen geben diese meist zu, an der falschen Stelle gespart zu haben. Der nicht artgerecht untergebrachte Mann ist ein Hort des Unfriedens im eigenen Haus!! Sind jedoch alle oben genannten Vorkehrungen getroffen, dauert es sicher nicht mehr lange, bis du deinen Mann nahezu knochenlos entspannt in seinem Sofa liegen sehen kannst, die zufrieden blinzelnden Äuglein fest auf die Mattscheibe des Fernsehers geheftet, und nur hin und wieder eine Hand bewegend, um durch die Programme zu zappen, ein Schlückchen Bier zu süffeln oder sich genüßlich zwischen den Beinen zu kratzen.

Der Umgang mit dem Hausmann

Wenn du deinen Mann bekommst, hat er meistens die Obhut seiner Mutter schon vor einiger Zeit verlassen und von dem, was sie ihm beigebracht hat, alles das vergessen, was ihm unbequem oder unverständlich erschien. Er wird also Eigenheiten haben und wahrscheinlich mit erstaunlichem Starrsinn auf ihnen beharren. Es wird zumindest während der ersten Jahre einen guten Teil Deiner Zeit beanspruchen, Deinen Mann haushaltsgerecht zu erziehen. Das Allerwichtigste, was Du Deinem Mann beibringen solltest, ist, welche Räume im Haus ihm zur Verfügung stehen und welche nicht. Denn ein Mann neigt, wie schon gesagt, zur Vereinnahmung, und schon bei geringer Nachlässigkeit im Beharren auf die eigenen Bereiche wirst Du erleben, wie er Dich enteignet. Auch gibt er einmal erobertes Terrain kaum jemals wieder her. Hier genügt es nicht, ihm die Grenzen einmal begreiflich zu machen; es sind ständige und strenge Wiederholungen nötig. Der Mann agiert in dieser Hinsicht wie ein Mischling aus Hund und Katze: Wie ein Hund testet er die Grenzen aus, die du ihm setzt, und wie eine Katze versucht er es immer wieder und in jedem unbeobachteten Moment. Nachlässigkeit führt hier unbedingt zum Desaster!

Wenn Dein Mann in der Nacht in dein Schlafzimmer kommt, solltest du ihn umgehend wieder hinauswerfen und ihm verdeutlichen, daß er hier nichts zu suchen hat, es sei denn, Du bittest ihn persönlich herein. Es soll ihm zwar erlaubt werden, leise zu klopfen oder an der Tür zu scharren, aber wenn er keine Antwort erhält, muß er sich gleich wieder trollen.

Weiterhin solltest du klarmachen, daß Flure Durchgangswege sind und nicht, auch nicht nur jetzt eben, vollgestellt werden dürfen.

Lichtschalter:

Es ist zwar mühsam, aber es lohnt sich, dem Mann beizubringen, daß eingeschaltetes Licht sich nicht von selbst wieder löscht. Gleiches gilt für offene Türen.

Reinlichkeit:

Der Mann ist ausgesprochen bequem, und wenn ihn nichts daran hindert, zieht er täglich genau das wieder an, was am Abend vor dem Bett liegengeblieben ist, auch die Unterwäsche!! Hier erfordert es eine Menge Geduld und Beharrlichkeit, eine Änderung herbeizuführen. Dasselbe gilt für die tägliche körperliche Hygiene. Eventuell wirst du Diskussionen führen müssen über schmutzige Wäsche, die in den Wäschekorb gehört, seiner Meinung nach aber noch mal angezogen werden kann. Laß Dich nicht beirren! Immer, wenn ein Mann nur vage ausdrückt, wann etwas geschehen wird oder sogar nur kann, meint er nie, genauso, wie `jetzt' für ihn die Ewigkeit, also immer ist.

Mach Dir keine Illusionen über die Arbeit, die der Mann im Haus bedeutet! Pflegeleicht sind nur Männer, die zu Gast sind. Ein Hausmann ist ein vollkommener Egomane und will sich Deiner ausschließlichen Aufmerksamkeit und Zuwendung stets sicher sein, auch dann, wenn er verlangt, in Ruhe gelassen zu werden. Jedem anderen Menschen, Tier oder Hobby, dem Du in Versuchung kommen solltest, Zuneigung zuzuwenden, wird er mit hemmungsloser Eifersucht begegnen, denn jede Sekunde, die Du Dich mit etwas anderem beschäftigst, enthältst du ihm vor - so begreift er es jedenfalls in seinem beschränkten Denken. So versteht es sich von selbst, daß in einem Haushalt mit Kindern ein Mann nichts zu suchen hat, schließlich kannst Du Dich nicht zerreissen. Überhaupt soll hier die Empfehlung ausgesprochen werden, mit der Haltung eines Mannes im Haus erst zu beginnen, wenn die Kinder aus dem Haus sind.

Ein Mann ist wie ein riesiger ewiger Säugling und kann die durch den Fortgang der Kinder entstandene Leere ausfüllen, sowohl räumlich (Du brauchst die ehemaligen Kinderzimmer für ihn), als auch was Zeit, Aufmerksamkeit und Zuwendung betrifft. Um überhaupt etwas Zeit für Dich zu haben, solltest Du ihn weiter arbeiten lassen - dann ist er wochentags tagsüber aus dem Haus, und von dem Geld, das man ihm bezahlt, kannst Du ihn versorgen. Ebenso solltest Du seinen Hobbys, z.B. Fußballspiele im Stadion ansehen, samstags Autowaschen, abends Kneipenbesuche, keine Steine in den Weg legen. Damit schlägst Du gleich mehrere Fliegen mit derselben Klappe, hast Zeit für Dich, während er sich zumindest zeitweise selbst um sich kümmert. Wenn es Dir dann auch noch gelingt, ihm weiszumachen, Du würdest auch während seiner außerhäuslichen Aktivitäten nur für ihn dasein (aufräumen putzen waschen kochen), steigerst Du sein Wohlbefinden ins Unermeßliche.

Die Ernährung des Hausmannes

Ein Mann verträgt im Grunde genommen die gleichen Nahrungsmittel wie wir, nur schätzt er sie nicht besonders. Er hat eine eigene Ernährungsphilosophie. So glaubt er beispielsweise fest und unverbrüchlich, daß nur Fleisch ihm die Lebenskraft erhält, und zwar je stärker das Tier, von dem es stammt, desto besser. Hellem Fleisch bringt er Mißtrauen entgegen, Fisch ist ihm erst recht suspekt. Geduldet werden Kartoffeln, Reis und Nudeln, alles mit Soße, als Beilagen zum Fleisch, das er am liebsten kross gebraten/in Fett gesotten zu sich nimmt. Grünzeug, d.h. im Grunde genommen sämtliches Gemüse, ist für ihn Viehfutter - Futter für die Tiere, deren Fleisch er essen will. Getreide, insbesondere Müsli, ist Vogelfutter, und der einzige Vogel, den er schätzt, ist das fettriefende halbe Hähnchen aus dem Imbiß.

Es erfordert also einige Tricks, um einen Mann auch nur halbwegs gesund zu ernähren. Bewährt haben sich gefüllte Braten, die nach anfänglichem Zögern doch meist vollständig aufgegessen werden, wenn die Füllung nicht zu gün ist. Hauptsache, sie sind außen schön kross (aber nie zu hart, vertrocknet oder angebrannt!!). Manchmal ist es auch möglich, dem Fleisch einen Überzug aus fein geriebenen Körnern statt einfacher Panade zu geben, aber nicht zu oft, sonst wird er mißtrauisch. Gut sind Hackfleischgerichte, denen sich verhältnismäßig leicht gesündere Zutaten beimengen lassen, ohne daß er es auf Anhieb merkt, oder auch die Unterbringung von Hackfleisch IN Gemüse (z.B. Paprika, Gemüsezwiebeln, Gurken, Artischocken). Ebenso läßt sich mit der Soße eine Menge anfangen. Unerläßlich ist dabei ein großzügiger Umgang mit Gewürzen, damit der Eigengeschmack gesunder Speisen überdeckt wird.

Den Rest besorgt dann schon das von ihm während des Essens getrunkene Bier. Rohkost läßt sich nur über den Umweg durch eine Essigtunke in einen Mann manövrieren, als Mixed Pickles oder ähnliches wird es dann aber oft überraschend widerstandslos genommen, z.B. als Beilage zum Steak. Es ist u.U. den Versuch wert, sein Toastbrot unter den dicken Wurstscheiben gegen das höherwertige Vollkornbrot auszutauschen. Wenn es geröstet wird und harte Krusten vorher entfernt, fällt ihm der Tausch vielleicht nicht einmal auf. Die Abwehr gegen ein vegetarisches Gericht könnte durch das Anbieten eines überbackenen Auflaufes eventuell unterlaufen werden. Wichtig ist, daß die Oberfläche mit viel Käse und Brosamen versehen wird, damit das Ganze fettig und kross wirkt. Ansonsten bleibt nur, Gemüse immer wieder als attraktiv angerichtete Beilage anzubieten. Wird es dann genommen, soll der Mann ausgiebig dafür gelobt werden.

Mann und Sex

Als Partner für sexuelle Aktivitäten ist der Mann nicht ohne weiteres geeignet, denn ein vollwertiger Sexualpartner sollte gesund sein und in der Lage, uns zu befriedigen. Genau hier hapert es bei Männern aber oft. Sie wollen nämlich ständig, aber dann nur kurz. Vor- und Nachspiel, zärtliches Streicheln, In-den Arm-Nehmen, eine Massage - alles das bekommst du von einem Mann nur, wenn er es für unvermeidlich hält, also wenn er keine andere Möglichkeit sieht, zu seiner eigenen Befriedigung zu kommen. Laß dir von verklärter Propaganda keinen Bären aufbinden! Den für einen Mann und eine Frau gleichermaßen befriedigenden Akt gibt es in aller Regel gar nicht. Normalerweise ist der Mann schon fertig, während du gerade erst warm wirst, und wenn du dann auf deiner Befriedigung bestehst, nervt ihn das. Daraus folgt: Mit einem einzigen Mann kommst du nichts ans Ziel. Andererseits aber will er dann schon wieder, wenn Du vom letzten Mal noch genug hast, und das bedeutet: Der Mann ist Dir zuviel.

Da es keinen Sinn hat, an diesen feststehenden Tatsachen herumzudiskutieren, muß eine andere Lösung her. Die einfachste Formel lautet: Diversifikation. Beispiel: Du hältst Dir einen privaten Mann und kennst zwei weitere Frauen, die das ebenfalls tun. Wenn Du jetzt Lust hast, holst Du Dir die Männer einfach alle drei ins Bett, wo sie nacheinander zum Zuge kommen. Dadurch wird der einzelne Mann nicht überanstrengt, und Du erhältst trotzdem Deine volle Befriedigung. Und wenn dann Deine Freundinnen Lust haben, machen sie es genauso wie du, was zur Folge hat, daß auch die Männer ihren Lustgenuß genau so bekommen, wie sie ihn mögen: kurz, aber oft. (Man nennt diese Lösung auch zweimal drei gleich Sex.) Weiterer Vorteil: Die Sexualität Eurer Männer steht so unter eurer Kontrolle, und das epedemische Ausbreiten von Geschlechtskrankheiten durch Männer, die zuviel herumkommen, wird vermieden. Wenn Ihr es dann auch noch fertigbringt, den Männern eine solche Absprache zu verheimlichen, erhöht das den Reiz für sie noch: Sie glauben dann nämlich, das sie die Macher sind und fühlen sich mächtig wohl bei der daraus folgenden Heimlichtuerei. Natürlich sind solche Arrangements auch ohne weiteres mit nicht im Haus gehaltenen Männern möglich, und oftmals zeigen sich solche Männer dann auch noch eifriger, erhoffen sie sich doch durch besondere Beflissenheit auf diesem Gebiet eine Aufnahme ins Haus.

Überhaupt wird Dir der nicht im Haus gehaltene Mann immer besser gefallen als ein Hausmann, denn er wird fast jede Anstrengung auf sich nehmen, um Dir zu gefallen. Es geht ihm dabei aber nicht um Dich, sondern um einen Platz in Deinem Haus, was für ihn das Paradies ist. Einmal dort angekommen, würde er natürlich übergangslos zu seiner eigentlichen, egoistischen Lebensweise zurückkehren, aber soweit muß es ja nicht kommen. Solange Du ihm nur nicht die Hoffnung auf den Platz in Deinem Haus nimmst, kannst Du seine Balz auf unbegrenzte Zeit ausdehnen. Sogar mehrere Männer lassen sich gern auf so ein Spiel ein, es bekommt dann eine zusätzliche Tiefe durch die Möglichkeit, die einzelnen Männer gegeneinander auszuspielen. Selbst wenn bereits ein Mann im Haus war, wurde nie beobachtet, daß die anderen Bewerber dies als Hindernis auffassten.

Insgesamt kommen wir zu dem Schluß, daß die Haltung eines Mannes im Haus mehr Arbeit als Freude bereitet und deswegen davon abzuraten ist. Männer und Häuser vertragen sich nicht. Wir können viel mehr Spaß an ihnen haben, wenn wir uns darauf beschränken, sie in der freien Wildbahn zu beobachten, wie sie emsig ihre Autos waschen, verirrt in unseren Supermärkten herumstolpern und voller Eifer um uns balzen!

(c) 1994 Dorothea Dorsch


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